Zum Hauptinhalt springen
Gitarrenlehreronline
Blog Spieltechnik

Alternate Picking vs Economy Picking: Kein Entweder-Oder

Bernd Kiltz Bernd Kiltz

Kurz & knapp

Beim Alternate Picking schlägst du jede Note einzeln an, immer abwechselnd: Down-Up-Down-Up. Jeder Ton bekommt seinen eigenen Impuls, seine eigene Bewegung.

Wenn du dich schon eine Weile mit Gitarrentechnik beschäftigst, bist du garantiert auf diese Diskussion gestoßen: Alternate Picking oder Economy Picking, was ist besser? Ich sage dir direkt, wie ich das nach über 30 Jahren als Gitarrenlehrer sehe: Das ist die falsche Frage. Beide Techniken ergänzen sich. Aber es gibt eine klare Reihenfolge, in der du sie lernen solltest, und die wird leider ständig ignoriert.

Was ist eigentlich was?

Beim Alternate Picking schlägst du jede Note einzeln an, immer abwechselnd: Down-Up-Down-Up. Jeder Ton bekommt seinen eigenen Impuls, seine eigene Bewegung. Das ist die Grundlage.

Beim Economy Picking (auch Sweeping genannt) sparst du Bewegung, indem ein Schlag mehrere Noten auf verschiedenen Saiten trifft. Statt nach einem Downstroke wieder nach oben zu kehren, läuft das Plektrum einfach weiter zur nächsten Saite durch.

Ein konkretes Beispiel: Spielst du die A-Moll-Pentatonik mit zwei Tönen pro Saite auf D- und G-Saite, sieht Alternate Picking so aus: Down-Up-Down-Up, vier einzelne Schläge. Economy Picking macht daraus: Down-Up-Down-Down, wobei der dritte und vierte Ton mit einem einzigen Durchstreich gespielt werden.

Wann Economy Picking wirklich Sinn ergibt

Economy Picking funktioniert besonders gut in bestimmten Situationen:

  • Bei drei Noten pro Saite kannst du sauber durchsweepen
  • Bei einer Note pro Saite ist es extrem effektiv
  • Generell überall, wo du eine ungerade Notenzahl pro Saite in der jeweiligen Bewegungsrichtung hast

Wo es hingegen nicht funktioniert, ist bei zwei Noten pro Saite aufsteigend. Du landest nach dem Durchstreich auf der falschen Seite der Saite. Du könntest mit einem Upstroke anfangen, aber dann hast du dasselbe Problem auf der nächsten Saite.

Die zwei Hauptprobleme beim Sweeping

Problem 1: Timing

Beim Alternate Picking hat jeder einzelne Ton seinen eigenen Impuls. Das macht es vergleichsweise einfach, rhythmisch sauber zu bleiben, du spürst jeden Schlag.

Beim Sweeping bestimmt die Geschwindigkeit des Durchstreichs das Timing. Und das ist deutlich schwerer zu kontrollieren. Wenn du zu schnell oder zu langsam durchstreichst, klingen die Töne entweder verschmiert oder ungleichmäßig. Das Timing muss exakt zum Tempo passen, und das erfordert ein sehr gut entwickeltes inneres Gefühl für Rhythmus.

Problem 2: Dynamik

Beim Alternate Picking kannst du jeden einzelnen Ton in seiner Lautstärke variieren: laut-leise-laut-leise. Du hast volle Kontrolle über die Dynamik jeder Note.

Beim Sweeping ist das kaum möglich. Alle Töne, die mit einem Durchstreich gespielt werden, haben mehr oder weniger dieselbe Lautstärke. Deshalb eignet sich Sweeping vor allem für verzerrten Sound, die Kompression des Zerrers gleicht die fehlende Dynamik aus. Auf einem cleanen Sound klingt Sweeping ohne diese Kontrolle schnell flach und ausdruckslos.

Die richtige Reihenfolge

Hier ist meine klare Empfehlung, die ich jedem meiner Schüler mitgebe:

Zuerst Alternate Picking sauber lernen. Und mit sauber meine ich: mindestens 140 BPM mit Sechzehntelnoten, rhythmisch präzise und mit Dynamik. Wer diesen Standard nicht erreicht hat, sollte die Finger vom Sweeping lassen. Nicht weil Sweeping schlecht ist, sondern weil du ohne diese Grundlage die Probleme mit Timing und Dynamik beim Sweeping gar nicht erst erkennst, geschweige denn lösen kannst.

Die richtige Reihenfolge sieht so aus:

  1. Legato (Hammer-Ons und Pull-Offs)
  2. Alternate Picking
  3. Sweeping / Economy Picking

Das ist kein willkürlicher Aufbau. Legato schult dein Gefühl für die linke Hand und für Bindungen. Alternate Picking gibt dir Timing- und Dynamikkontrolle. Sweeping baut dann auf beiden auf.

Warum manche Profis gar kein Sweeping brauchen

Es gibt Gitarristen wie Steve Morse, die konsequent alles mit Alternate Picking spielen, und das auf höchstem Niveau. Der Grund ist simpel: Alternate Picking gibt dir volle Dynamikkontrolle, volle Timing-Kontrolle und maximale Flexibilität in jeder Situation. Wer Alternate Picking wirklich beherrscht, braucht Economy Picking nicht zwingend. Es ist eine Ergänzung, kein Ersatz.

Fazit

Alternate Picking und Economy Picking sind keine Konkurrenten. Sie sind Werkzeuge, und wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wann und wie du sie einsetzt. Lerne zuerst Alternate Picking so gründlich, dass du es wirklich kontrollierst. Dann wirst du auch beim Sweeping viel schneller Fortschritte machen, weil du weißt, worauf du achten musst.

Häufige Fragen

Was ist eigentlich was?
Beim Alternate Picking schlägst du jede Note einzeln an, immer abwechselnd: Down-Up-Down-Up. Jeder Ton bekommt seinen eigenen Impuls, seine eigene Bewegung.
Wann Economy Picking wirklich Sinn ergibt?
Economy Picking funktioniert besonders gut in bestimmten Situationen:
Was ist die zwei Hauptprobleme beim Sweeping?
Beim Alternate Picking hat jeder einzelne Ton seinen eigenen Impuls. Das macht es vergleichsweise einfach, rhythmisch sauber zu bleiben, du spürst jeden Schlag.

Weiterlesen

Picking-Technik systematisch aufbauen

Im Kurs Technik Pack lernst Du das Thema von Grund auf, mit klarer Struktur und Video-Lektionen.