Dich selbst beim Spielen aufnehmen: Das sind die besten Möglichkeiten für Gitarristen.
Wenn Du auf Deinem Instrument besser werden willst, ist es eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt, Dich selbst richtig einzuschätzen. Viele denken, das könnten sie beim Spielen direkt nur allzu gut, doch das ist leider ein großer und folgenschwerer Irrtum!
Das Problem dabei ist, dass Du während des Spielens einfach nicht genug „Rechenleistung” zur Verfügung hast, um Dich selbst einzuschätzen und daraus zu lernen. Zudem führt eine direkte Bewertung während der Performance zwangsläufig zu einer Verschlechterung dergleichen. Wenn Deine Konzentration nicht zu 100% auf Dein Spiel gerichtet ist, wirst Du niemals Dein volles Potenzial zeigen können.
Was also tun? Richtig, nimm Dich auf! Heutzutage gibt es tausende von Möglichkeiten, wie Du das tun kannst. Ich werde Dir in diesem Artikel meine Favoriten zeigen und Dir zusätzlich ein paar wichtige Gedanken nahebringen.
Um Dir eine kleine Übersicht zu geben, Du kannst:
- Mit dem Handy filmen / nur Ton mit einer App aufnehmen
- Die Webcam Deines Computers benutzen
- Einen Looper kaufen (der auch sonst eine gute Idee ist)
- Mit einem Audiointerface und Recording-Programm Top-Aufnahmen machen
- Ein extra Aufnahmegerät kaufen (in den seltensten Fällen sinnvoll)
Fangen wir aber direkt mit dem Wichtigsten an:
Tu es JETZT!
Viele wollen erst ein Audiointerface kaufen, dann noch ein Recording-Programm installieren, eventuell auch noch warten bis die neue Gitarre oder der neue Amp da ist. Dazu sage ich nur: Du wirst damit den Nutzen der Selbstaufnahme nicht im Geringsten verändern!
Ob die Soundqualität gut oder schlecht ist, spielt überhaupt keine Rolle, wenn Du Dein eigenes Spiel einschätzen willst. Auf neues Equipment oder die neueste Version Deiner Recording-Software zu warten ist ZEITVERSCHWENDUNG. Also egal wie: Nimm Dich auf und hör es Dir an!
Hier einmal vom ungefähren Aufwand her gestaffelt die Möglichkeiten, die Dir zur Verfügung stehen.
Mit dem Handy filmen
Jeder hat heutzutage ein Smartphone. Ob Apple, Samsung, HTC oder was auch immer ist egal, kaum eines der Geräte kommt heutzutage ohne Videofunktion. Also, stell das Smartphone auf den Tisch/Regal/Notenständer vor Dir, schau dass Du im Bild bist, und drücke auf „Record”.
Beim iPhone ist dabei sogar die Qualität der Frontkamera so gut, dass sich früher Kameramänner die Finger danach geleckt hätten. Es sollte hell genug sein, damit man etwas erkennen kann, ansonsten ist die Qualität egal, denn es ist ja erst einmal nur für Dich.
Natürlich musst Du das Ganze nicht unbedingt filmen: Du kannst auch einfach nur den Ton aufnehmen. Jedes Smartphone-Betriebssystem hat hierfür eine App. Ich empfehle Dir aber, direkt das Video zu nehmen, denn so kannst Du eventuelle technische Probleme auch direkt erkennen.
So viel sei gesagt: 50% dessen, was die meisten Gitarrenlehrer sehen, siehst Du auf einem Video von Dir auch. Vielleicht ist das der Grund, warum viele Gitarristen Angst haben, sich selbst aufzunehmen? 🙂
Mit der Webcam filmen
Fast jeder hat schon eine Webcam im Notebook eingebaut. Beim Mac funktioniert die Aufnahme sehr einfach über den QuickTime Player (Ablage → neue Videoaufnahme). Leider haben sich die Webcams nicht so stark nach vorne entwickelt wie die Smartphone-Cams, aber die Qualität reicht locker aus, um Dich spielen zu sehen.
Beim PC ist die Aufnahme manchmal etwas komplizierter… Windows sei Dank. Aber mit den entsprechenden YouTube-Tutorials wirst Du es sicher hinbekommen. Einfacher ist natürlich der Weg über das Smartphone.
Kleiner Hinweis: Auch hier kannst Du natürlich nur den Ton aufnehmen. Wie gesagt, wenn Du die Möglichkeit hast, nimm Ton UND Video.
Mit dem Looper aufnehmen
Eine der tollsten Übehilfen ist ein sogenannter Looper. Vor allem für die E-Gitarristen unter Euch interessant (die Akustik-Fraktion braucht eine Gitarre mit Pickup und einen Verstärker).
Ein Looper ist ein Bodenpedal, welches auf Knopfdruck eine Aufnahme Deines Spiels macht und beim nächsten Knopfdruck das Gleiche wieder abspielt. So kannst Du z.B. auch eine Begleitspur erstellen, zu der Du dann Solo spielen kannst.
Viele Multieffektgeräte, wie z.B. das Boss GT-1 oder der Line6 Pod HD oder Helix haben mittlerweile einen eingebauten Looper. Pedale, die nur loopen, gibt es ab ca. 95 Euro. Ein beliebtes Beispiel ist der DITTO Looper von TC Electronic.
Mit so einem Gerät kannst Du Dich unkompliziert und schnell so oft aufnehmen, wie Du willst. Nachteil ist hier, dass Du das Aufgenommene nur schwer archivieren kannst und so die Chance verpasst, Deinen Fortschritt über Monate/Jahre zu dokumentieren.
Audiointerface und DAW
Nun kommen wir zu den Möglichkeiten mit höherer Soundqualität, die auch zum Aufnehmen von Demos oder gar CDs taugen. Dafür wird es auch um einiges komplizierter, falls Du nicht sowieso schon ein Computernerd bist.
Falls Du komplett neu im Bereich der Audio-Aufnahmen bist, hier ein paar Grundsatz-Erklärungen:
Audiointerface: Ein Gerät, das Du zwischen Deine Gitarre und einen Computer schaltest. Meistens wird das heutzutage über USB oder Thunderbolt gelöst. Die eingebaute Audio-Funktion Deines Computers ist gänzlich ungeeignet dazu, es sei denn wie schon oben beschrieben, um mal kurz zu checken, wie Du so klingst. Ein Audiointerface wird dann mit ordentlichen Boxen oder einem guten Kopfhörer verbunden. Es geht also alles ins Audiointerface rein und kommt auch da wieder raus, der Computer wird dann zum „Berechnen” und Aufnehmen der Signale verwendet. Um gute Aufnahmen zu machen, brauchst Du ein Audiointerface!
DAW bedeutet „Digital Audio Workstation”: Man könnte auch sagen eine App oder ein Programm, welches mithilfe des Audiointerfaces Signale aufnimmt und verarbeitet. Recording-Software ist auch ein Begriff dafür. Als Beispiel möchte ich hier Cubase, Logic Pro, GarageBand, Sonar, Ableton Live und Audition nennen. Es gibt noch 1000 andere, aber es ist egal welche Du nimmst.
Bei vielen Audiointerfaces liegen entsprechende Programme bei. Es handelt sich oft um abgespeckte Versionen, die aber vom Funktionsumfang 100 mal ausreichen. Ich produziere z.B. meine Aufnahmen für Library-Music, die schon in ARD/ZDF liefen, mit einer kleinen Version von Cubase, die nicht mal 100 Euro kostet.
Mit einer guten Kombination von Audiointerface und DAW kannst Du professionell aufnehmen, Songs schreiben und arrangieren und das Ganze archivieren. Mac-User haben mit dem vorinstallierten GarageBand ein echtes Schätzchen auf ihrem Rechner. Mit dieser Software, die sich extrem einfach bedienen lässt und zu der es TONNEN von Anfänger-Tutorials auf YouTube gibt, kann man schon richtig viel in toller Qualität anstellen.
Auf dem PC gibt es natürlich auch eine Vielzahl guter Programme. Hier würde ich auf eine kleine Version von Cubase setzen. Schau Dir beim Kauf Deines Audiointerfaces die Software-Beilagen genau an, da ist oft schon mehr als genug dabei.
Recording-Geräte
Als letzter Punkt soll noch gesagt sein, dass es auch komplette Geräte gibt, die nur dazu konstruiert wurden, Dich aufzunehmen. Solltest Du ein Computer-Muffel sein, ist das eventuell genau das Richtige für Dich.
Meiner Ansicht nach gehören diese Geräte jedoch zum alten Eisen und sind höchstens für eine Band im Proberaum interessant. Wobei selbst dort ein Audiointerface mit Notebook fast immer eine bessere Wahl ist.
Fazit
Wie Du siehst, kannst Du es Dir beim Aufnehmen sehr einfach und auch sehr kompliziert machen. Am Anfang reicht es wirklich, einfach nur mit irgendetwas auf „Aufnahme” zu drücken.
Das Gefühl ist zuerst sehr ungewohnt, und eventuell wirst Du einen ganz schönen Quatsch zusammenspielen. Aber auch hier macht die Übung den Meister.
Bleib dran und versuche, Dich regelmäßig beim Gitarre spielen aufzunehmen. Wenn Dir das Ganze Spaß macht, wirst Du früher oder später bestimmt den Weg des Audiointerfaces gehen wollen.
Wichtig: Archiviere Deine Aufnahmen und mache auch regelmäßige Backups davon. So kannst Du Jahre später Deinen Fortschritt nachvollziehen und auch Ideen sammeln.
Viel Spaß beim Aufnehmen! Aber jetzt los: Mach Deine erste Aufnahme! JETZT! 🙂
Vom Üben zur professionellen Aufnahme
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