Zum Hauptinhalt springen
Gitarrenlehreronline
Blog Richtig üben

Warum Ausgleich zum Gitarrespielen wichtig ist

Bernd Kiltz Bernd Kiltz

Kurz & knapp

Wenn du viel übst und viel spielst, summieren sich diese Belastungen. Haltungsschäden und Schmerzen sind keine Seltenheit unter Musikern, die intensiv spielen.

Gitarre spielen macht krank. Das klingt übertrieben, und ja, es ist ein bisschen provokant formuliert. Aber wenn du ehrlich bist und mal genauer hinschaust, was beim Spielen mit deinem Körper passiert, steckt da mehr Wahrheit drin, als dir lieb ist.

Was Gitarre spielen mit deinem Körper macht

Egal ob du im Sitzen oder im Stehen spielst: dein Körper ist dabei selten in einer neutralen, entspannten Position.

Im Sitzen neigen die meisten dazu, sich nach vorne zu beugen, den Rücken zu krümmen und die Brust einzuziehen. Klar, es gibt die klassische Konzerthaltung mit dem Fußbänkchen und dem aufrechten Rücken, aber mal ehrlich: Wie viele Gitarristen setzen das konsequent um? Die meisten hängen einfach irgendwie über dem Instrument, und das über Stunden.

Im Stehen kommt noch etwas dazu: Gewicht. Eine Les Paul bringt locker vier bis fünf Kilo auf die Waage. Das hängt dir am Gurt, zieht an der Schulter, belastet die Bandscheiben. Bei einem kurzen Probenabend fällt das kaum auf. Aber bei einem langen Gig, der sich über sieben oder acht Stunden zieht, spürst du das am nächsten Morgen ganz deutlich.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Nach langen Auftritten hatte ich regelmäßig Nacken- und Schulterprobleme. Das ist kein Einzelfall, das ist eine direkte Folge davon, was das Spielen körperlich mit dir macht, wenn du keinen Ausgleich schaffst.

Ein kleiner Tipp für lange Gigs

Falls du regelmäßig lange Auftritte spielst: Schau dir mal Headless-Gitarren an. Die bringen oft nur um die zwei Kilo auf die Waage. Das macht einen spürbaren Unterschied, wenn du stundenlang auf der Bühne stehst.

Warum Ausgleich so wichtig ist

Wenn du viel übst und viel spielst, summieren sich diese Belastungen. Haltungsschäden und Schmerzen sind keine Seltenheit unter Musikern, die intensiv spielen. Das ist keine Frage des Alters, aber mit zunehmendem Alter wird es relevanter.

Ab etwa 40 Jahren solltest du körperliche Aktivität bewusst in deinen Alltag integrieren, wenn du das nicht ohnehin schon tust. Nicht weil du plötzlich zum Sportler werden musst, sondern weil dein Körper den Ausgleich braucht, um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Was wirklich hilft: Krafttraining

Meine klare Empfehlung ist Krafttraining mit Gewichten. Zweimal die Woche Ganzkörpertraining, an Geräten oder mit Freihanteln, ist ein guter Einstieg. Damit stärkst du gezielt die Muskeln, die beim Gitarrespielen am meisten beansprucht werden.

Besonders wichtig sind dabei die Rückenmuskeln. Übungen wie Kreuzheben und Rudern sind hier Gold wert. Natürlich schadet es nicht, auch Bizeps und Trizeps zu trainieren, aber der Rücken hat für uns Gitarristen die höchste Priorität.

Ich habe vor etwa einem halben Jahr ernsthaft damit angefangen, regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen. Das Ergebnis: Die Nacken- und Schulterprobleme, die mich nach langen Auftritten immer geplagt haben, sind komplett verschwunden. Schon vor über zehn Jahren hatte ich mit Langhantelkursen angefangen, und das hat bei Gigs bereits deutlich geholfen. Wer früh anfängt, tut sich einen großen Gefallen.

Beine nicht vergessen

Ein Aspekt, den viele unterschätzen: Trainiere auch deine Beine. Es gibt Studien, die zeigen, dass Menschen gesünder altern, je mehr Kraft sie in den Beinen haben. Wer im Alter stürzt, sich etwas bricht und wenig Muskelmasse hat, verliert schnell an Lebensqualität. Wer dagegen vorher Muskeln aufgebaut hat, verliert sie langsamer und kann sie schneller wieder auftrainieren.

Alternativen und Ergänzungen

Krafttraining ist nicht das Einzige, was hilft. Auch Pilates und Yoga sind gute Optionen, um Körperspannung, Beweglichkeit und Haltung zu verbessern. Ausdauersport wie lockeres Joggen oder Rennradfahren, drei bis viermal die Woche etwa 45 Minuten, tut dem Herz-Kreislauf-System gut und hilft beim Stressabbau.

Aber wenn du nur eine Sache priorisieren kannst: Wähle das Muskeltraining. Gerade je älter du wirst, ist der Aufbau und Erhalt von Muskelmasse entscheidend, nicht nur für dein Gitarrespiel, sondern für deine Gesundheit insgesamt.

Fazit

Gitarre spielen ist wunderschön, aber es ist keine körperlich neutrale Tätigkeit. Wenn du lange und intensiv spielst, schuldest du deinem Körper einen Ausgleich. Krafttraining, ergänzt durch Ausdauer und Beweglichkeitsübungen, ist der direkteste Weg, um Schmerzen zu vermeiden und langfristig spielfähig zu bleiben. Dein zukünftiges Ich wird es dir danken.

Häufige Fragen

Was Gitarre spielen mit deinem Körper macht?
Egal ob du im Sitzen oder im Stehen spielst: dein Körper ist dabei selten in einer neutralen, entspannten Position.
Warum Ausgleich so wichtig ist?
Wenn du viel übst und viel spielst, summieren sich diese Belastungen. Haltungsschäden und Schmerzen sind keine Seltenheit unter Musikern, die intensiv spielen.
Was wirklich hilft: Krafttraining?
Meine klare Empfehlung ist Krafttraining mit Gewichten. Zweimal die Woche Ganzkörpertraining, an Geräten oder mit Freihanteln, ist ein guter Einstieg.

Weiterlesen

Langfristig gesund spielen

Im Kurs Effektiv Üben lernst Du das Thema von Grund auf, mit klarer Struktur und Video-Lektionen.