Kurz & knapp
Jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Akkorde greifen kann man lernen. Aber Groove ist eine andere Qualität.
Wenn du Blues-Rock spielst, reicht es nicht, einfach die richtigen Akkorde zu greifen. Der entscheidende Unterschied zwischen einer Rhythmusgitarre, die zündet, und einer, die niemanden vom Hocker reißt, liegt woanders: im Groove. Und in der Frage, wie du deine Akkorde wirklich klingen lässt.
Power Chords: mehr als nur Grundton und Quinte
Der Begriff „Power Chord” wird oft missverstanden. Es geht nicht darum, stur Grundton plus Quinte zu spielen. Power ist dort, wo der Akkord tatsächlich gut klingt. Und das erreichst du oft durch Doppelungen.
Grundton oder Quinte doppeln
Nehmen wir den A-Akkord als Beispiel. Statt nur Grundton und Quinte spielst du: A auf der tiefen E-Saite, E auf der A-Saite, und nochmal A auf der D-Saite. Das fällt mit der offenen A-Saite zusammen und gibt dem Akkord sofort mehr Substanz, mehr Druck.
Beim G-Akkord funktioniert das genauso: Grundton G und Quinte D in verschiedenen Oktaven gedoppelt, G, D, G, D, G. Wichtig dabei ist das Dämpfen. Der zweite Finger muss die A-Saite abmuten, weil dort normalerweise die Dur-Terz B liegen würde. Und die willst du im Blues-Rock nicht unbedingt laut haben.
Die Terz: Würze ja, aber dezent
Das ist ein zentraler Punkt: Die Terz darf im Blues-Rock leise mitschwingen, aber sie sollte nicht im Vordergrund stehen. Beim D-Akkord zum Beispiel verlagert man den Anschlag lieber in die Mitte des Akkords, weg von den oberen Saiten, wo das Fis liegt. Wenn die Terz leise mitschimmert, okay. Wenn sie dominiert, leidet der Rock-Charakter.
Ein bisschen Würze ist gut. Zu viel davon macht den Sound weich und verliert den Biss.
Quinte nach unten doppeln
Eine weitere Option beim D-Akkord: die A-Saite mit anschlagen, also die Quinte nach unten doppeln. Das macht den Sound fetter, aber auch etwas breiger. Für einen modernen Klang kann das durchaus funktionieren, es kommt auf den Kontext an.
Höhere Positionen am Hals
Dieselben Powerchords lassen sich auch weiter oben am Hals spielen. A am 7. Bund der D-Saite, E am 9. Bund der G-Saite, A am 10. Bund der B-Saite. In diesen Positionen hast du automatisch mehr Terz mit drin, einfach weil du weniger Saiten zur Verfügung hast und damit weniger Doppelungen möglich sind. Das klingt etwas offener und heller, ein anderes Klangbild, das du bewusst einsetzen kannst.
Groove: der eigentliche Motor
Jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Akkorde greifen kann man lernen. Aber Groove ist eine andere Qualität.
Die rechte Hand ist der Motor
Als E-Gitarrist ist deine rechte Hand der Motor. Nicht die linke, die die Akkorde greift. Die rechte Hand entscheidet, ob der Song pumpt oder nicht. Und das spüren alle: die Musiker neben dir, die Band, das Publikum.
Erst Downstrokes, kein Wechselschlag am Anfang
Für Rock-Rhythmik gilt: Lerne zuerst, sauber mit Achteln in reinen Downstrokes zu spielen. Nur Abschläge, kein Wechselschlag. Das klingt simpel, ist aber der Schlüssel. AC/DC füllt Stadien mit nichts anderem als Achteln in Downstrokes. Die Energie, die dabei entsteht, ist enorm, vorausgesetzt, das Grundprinzip steht wirklich.
Erst wenn das sitzt, macht es Sinn, kompliziertere Anschlagsmuster mit Wechselschlag einzubauen.
Akzente formen ohne Noten zu wechseln
Groove entsteht nicht nur durch Rhythmus, sondern durch Nuancen. Du kannst Akzente setzen durch die Intensität deines Anschlags, durch die Wahl der Saiten, die du betonst, und durch gezielte Dämpfung. Das sind die Werkzeuge, mit denen du innerhalb eines einfachen Achtelpatterns Spannung und Bewegung erzeugst.
Groove bedeutet Führen
Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke: Groove ist keine passive Sache. Du wartest nicht darauf, dass der Schlagzeuger dir den Groove gibt. Du als Gitarrist pumpst die Energie in die Masse. Du führst.
Das englische Wort „Groove” bedeutet Furche. Alle in der Band müssen in dieselbe Furche. Das ist eine mentale Qualität, keine rein technische. Du musst innerlich grooven, bevor es aus den Fingern kommt.
Was das für dein Üben bedeutet
Fang nicht mit dem kompliziertesten Anschlagsmuster an. Fang mit einem soliden A-Powerchord an, doppele den Grundton, dämpfe sauber, und spiele Achtel in Downstrokes, bis es pumpt. Bis du es selbst spürst. Dann bist du auf dem richtigen Weg.
Blues-Rock lebt nicht von Virtuosität. Er lebt von Energie, Kontrolle und dem Gefühl, das aus einer gut sitzenden Rhythmusgitarre kommt.
Häufige Fragen
Was bedeutet Power Chords?
Was steckt hinter "Höhere Positionen am Hals"?
Was bedeutet Groove?
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Blues-Rock Gitarre lernen
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