Chromatische Durchgangstöne in der Pentatonik: So klingst du sofort professioneller
Bernd Kiltz Kurz & knapp
Gitarristen wie Robben Ford, Scott Henderson, Guthrie Govan oder Tom Quayle nutzen diese Technik ständig. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Fusion-, Blues-Rock- und Jazz-Sounds.
Kennst du das Gefühl, dass dein Pentatonik-Spiel irgendwie immer gleich klingt? Du weißt, wie die Skala funktioniert, du kannst improvisieren – aber es fehlt noch dieses gewisse Etwas, das dein Spiel interessanter und abwechslungsreicher macht. Die gute Nachricht: Mit chromatischen Durchgangstönen kannst du dein Pentatonik-Spiel mit einem einfachen Trick deutlich aufwerten.
Was sind chromatische Durchgangstöne?
Chromatische Durchgangstöne sind Töne, die nicht zur eigentlichen Skala gehören, aber kurz im Vorbeigehen gespielt werden – sozusagen als Verbindung zwischen zwei Skalentönen. In der Pentatonik gibt es an bestimmten Stellen Ganztonschritte, also Sprünge von zwei Bünden. Genau dort liegt deine Chance: Der Ton dazwischen, also ein Halbtonschritt, ist dein chromatischer Durchgangston.
Du musst dir keine neue, komplizierte Skala merken. Du füllst einfach die Lücken, die in der Pentatonik bereits vorhanden sind.
Warum klingt das so gut?
Gitarristen wie Robben Ford, Scott Henderson, Guthrie Govan oder Tom Quayle nutzen diese Technik ständig. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Fusion-, Blues-Rock- und Jazz-Sounds. Wenn du dir Aufnahmen dieser Spieler anhörst, wirst du diese kurzen, schleifenden Töne immer wieder heraushören – sie geben dem Spiel eine gewisse Geschmeidigkeit und Raffinesse.
Der Grund, warum es so gut funktioniert: Der chromatische Ton wird nicht als Zielnote gespielt, sondern als Durchgangston. Du spielst ihn kurz und leicht an, im Vorbeigehen sozusagen, und landest dann auf dem nächsten Pentatonik-Ton. Dadurch klingt er nicht falsch, sondern verleiht dem Spiel eine interessante Farbe.
So setzt du chromatische Durchgangstöne konkret ein
Schritt 1: Ganztonschritte in der Pentatonik identifizieren
Nimm dir den ersten Fingersatz der A-Moll-Pentatonik (Fingersatz 1E) und schau dir an, wo du Ganztonschritte hast – also Stellen, an denen zwei aufeinanderfolgende Töne zwei Bünde auseinanderliegen. Genau dort kannst du den Ton dazwischen einfügen.
Schritt 2: Den Durchgangston kurz anspielen
Der entscheidende Punkt ist das Timing. Du spielst den chromatischen Ton kurz und leicht – er bekommt keine eigene Betonung, sondern dient nur als Brücke. Stell dir vor, du läufst eine Treppe hoch und machst einen kleinen Zwischenschritt: Du verweilst nicht darauf, du gehst einfach weiter.
Schritt 3: Einen einfachen Lick einbauen
Ein guter Einstieg ist ein kurzer Lick, der gezielt einen chromatischen Durchgangston enthält. Zum Beispiel: Du spielst zwei Pentatonik-Töne mit einem Ganztonabstand und fügst den Halbtonschritt dazwischen ein. Dieser Lick klingt auf Anhieb nach mehr – nach Fusion, nach Blues-Rock, nach einem Spieler, der weiß, was er tut.
Wenn du diesen Lick dann in eine normale Improvisation einbaust, merkst du schnell: Es ist kein Weltensprung, aber der Unterschied ist hörbar. Dein Spiel bekommt mehr Farbe, mehr Vokabular, mehr Tiefe.
In welchen Situationen funktioniert das?
Das Schöne an dieser Technik ist ihre Vielseitigkeit. Chromatische Durchgangstöne funktionieren:
- In jedem Pentatonik-Fingersatz – nicht nur in Fingersatz 1, sondern in allen fünf Lagen
- Über jeden Akkord, über den du sonst auch Pentatonik spielen würdest
- In verschiedenen Stilrichtungen – von Blues über Rock bis hin zu Fusion und Jazz
- In jedem Tempo – langsam klingen sie schön melodisch, schnell geben sie deinem Spiel einen fließenden, professionellen Charakter
Tipps für das Üben
Langsam anfangen: Übe den Lick zunächst in einem ruhigen Tempo, damit du ein Gefühl dafür bekommst, wie der chromatische Ton klingt und wo er sitzt.
Nicht übertreiben: Chromatische Durchgangstöne wirken am besten, wenn sie sparsam eingesetzt werden. Ein Lick hier, ein Durchgangston dort – das reicht, um deinem Spiel eine neue Qualität zu geben. Wenn du jeden Ganztonschritt ständig füllst, verliert die Technik ihre Wirkung.
Mit Backing Track üben: Spiel über einen einfachen A-Moll-Groove und wechsle bewusst zwischen reiner Pentatonik und Pentatonik mit Durchgangstönen ab. So hörst du den Unterschied direkt.
Licks auswendig lernen: Lern dir zwei oder drei kurze Licks mit chromatischen Tönen ein und bau sie gezielt in deine Improvisationen ein. Mit der Zeit wirst du ein Gefühl dafür entwickeln, wann und wie du sie spontan einsetzen kannst.
Fazit
Chromatische Durchgangstöne sind eine der einfachsten Möglichkeiten, dein Pentatonik-Spiel klanglich zu erweitern. Du brauchst keine neue Skala zu lernen, keine komplizierte Theorie zu verstehen – du füllst einfach die Lücken, die in der Pentatonik bereits vorhanden sind. Das Ergebnis klingt sofort interessanter, professioneller und stilistisch vielseitiger. Probier es aus und hör selbst, was ein einziger Halbtonschritt ausmachen kann.
Häufige Fragen
Was sind chromatische Durchgangstöne?
Warum klingt das so gut?
Wie funktioniert So setzt du chromatische Durchgangstöne konkret ein?
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