Kurz & knapp
Vor nicht allzu langer Zeit ist mir etwas aufgegangen, das so simpel ist, dass ich kurz sprachlos war. Und gleichzeitig so offensichtlich, dass ich mich gefragt habe, warum ich nicht früher darauf gekommen bin.
Drop-D ist eine der beliebtesten alternativen Stimmungen überhaupt. Kein Wunder: Du stimmst einfach die tiefe E-Saite einen Ganzton runter auf D, und schon kannst du Powerchords mit einem einzigen flachen Finger spielen. Bands wie Foo Fighters, Soundgarden, Rage Against the Machine oder Pearl Jam haben diese Stimmung auf Klassiker wie „Everlong”, „Black Hole Sun”, „Killing in the Name” oder „Even Flow” verewigt.
Soweit, so bekannt. Aber dann kommt das Problem, und das hat mich persönlich über drei Jahrzehnte begleitet.
Das Problem, das kaum jemand offen anspricht
Sobald du in Drop-D stimmst, stimmt auf der tiefen Saite kein einziger Fingersatz mehr. Jede Lage, jede Skala, jedes Lick, das du auf der tiefen E-Saite gelernt hast: alles verschoben. Du musst auf dieser Saite zwei Bünde höher greifen, um denselben Ton zu treffen.
Klingt erstmal überschaubar. Ist es aber nicht. Denn wenn du improvisierst, denkst du nicht in „zwei Bünde höher”. Du greifst aus dem Muskelgedächtnis heraus. Und genau da bricht alles zusammen. Du spielst falsche Töne, verlierst den Fluss, und irgendwann weichst du der tiefen Saite in Drop-D einfach aus.
Ich habe das jahrelang so gemacht. Powerchords, ja. Aber sobald es ums Solieren oder Improvisieren ging, habe ich die tiefe Saite in Drop-D weitgehend ignoriert.
Die Lösung, die 32 Jahre auf sich warten ließ
Vor nicht allzu langer Zeit ist mir etwas aufgegangen, das so simpel ist, dass ich kurz sprachlos war. Und gleichzeitig so offensichtlich, dass ich mich gefragt habe, warum ich nicht früher darauf gekommen bin.
Hier ist der Gedanke: In Drop-D hast du zwei D-Saiten. Die tiefe Saite ist jetzt D, und die dritttiefste Saite war schon immer D. Eine Oktave höher, aber dieselbe Note, dieselbe Stimmung.
Was bedeutet das? Ganz einfach: Was du auf der normalen D-Saite spielst, kannst du exakt genauso auf der tiefen D-Saite spielen. Dieselben Bünde, dieselben Finger, dieselbe Logik, nur eine Oktave tiefer.
Ein konkretes Beispiel: Bb-Dur-Tonleiter
Nehmen wir die Bb-Dur-Tonleiter. Auf der D-Saite greifst du zum Beispiel die Töne mit den Fingern 4, 3 und 1 in bestimmten Bünden. Genau diese Kombination, unverändert, funktioniert auf der tiefen D-Saite genauso. Kein Umrechnen, kein Anpassen, kein Nachdenken. Einfach spiegeln.
Das klingt fast zu einfach. Aber genau das ist der Punkt.
Was dabei noch passiert: String Skipping als Bonus
Wenn du Läufe von der tiefen D-Saite direkt auf die G-Saite oder höher überträgst, überspringst du automatisch die A-Saite. Das ist kein Fehler, das ist ein Feature.
Dieses sogenannte String Skipping erzeugt Sounds, die du mit normalen Fingersätzen so nicht bekommst. Weite Intervallsprünge, offenere Melodielinien, ein anderes Klangbild. Gerade für Licks, die etwas Besonderes haben sollen, ist das Gold wert.
Besonders gut funktioniert das Prinzip übrigens mit 3-Notes-Per-String-Fingersätzen. Drei Töne pro Saite, dann rüber auf die nächste: das lässt sich mit diesem Trick direkt und ohne Anpassung auf die tiefe D-Saite übertragen. Und auch Tapping-Patterns funktionieren nach derselben Logik: Was du auf der D-Saite tappst, tappst du genauso auf der tiefen D-Saite.
Was du dafür wissen musst
Damit dieser Trick wirklich funktioniert, brauchst du eine Voraussetzung: Du musst deine Grundtöne nicht nur auf den tiefen Saiten kennen, sondern auch auf der D-Saite, der G-Saite und der B-Saite.
Wer sich beim Improvisieren ausschließlich am tiefsten Grundton orientiert, hat in Drop-D ein echtes Problem, weil dieser Grundton ja verschoben ist. Wer aber weiß, wo seine Grundtöne auf der D-Saite liegen, kann sofort loslegen. Die tiefe D-Saite wird dann nicht zur Falle, sondern zur Erweiterung.
Das ist übrigens auch unabhängig von Drop-D eine sinnvolle Investition. Das Griffbrett in seiner ganzen Breite zu kennen, nicht nur die untersten zwei Saiten, macht dich als Gitarrist flexibler in jeder Situation.
32 Jahre sind eine lange Zeit
Ich sage das ohne Selbstironie: Manchmal brauchen die einfachsten Dinge am längsten. Nicht weil sie schwer zu verstehen wären, sondern weil man nie aus dem richtigen Blickwinkel draufgeschaut hat.
Wenn du Drop-D bisher gemieden hast, sobald es über Powerchords hinausgeht, probier diesen Ansatz aus. Nimm einen Fingersatz, den du auf der D-Saite gut kennst, und spiel ihn auf der tiefen D-Saite. Hör, was passiert. Lass die A-Saite ruhig mal aus. Und genieß den Sound, der dabei entsteht.
Manchmal ist die beste Erkenntnis die, die schon die ganze Zeit da war.
Häufige Fragen
Was ist das Problem, das kaum jemand offen anspricht?
Was ist die Lösung, die 32 Jahre auf sich warten ließ?
Was dabei noch passiert: String Skipping als Bonus?
Griffbrett in allen Stimmungen beherrschen" a: "Wenn du Läufe von der tiefen D-Saite direkt auf die G-Saite oder höher überträgst, überspringst du automatisch die A-Saite. Das ist kein Fehler, das ist ein Feature." a: "Wenn du Läufe von der tiefen D-Saite direkt auf die G-Saite oder höher überträgst, überspringst du automatisch die A-Saite. Das ist kein Fehler, das ist ein Feature.
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