Zum Hauptinhalt springen
Gitarrenlehreronline
Blog Spieltechnik

Chromatik mit Dreiklängen: Enclosures lernen

Bernd Kiltz Bernd Kiltz

Kurz & knapp

Die Pentatonik ist tonartbezogen, nicht akkordspezifisch. Wenn du über eine Akkordfolge in A-Moll spielst und die ganze Zeit die A-Moll-Pentatonik benutzt, klingst du immer gleich, egal ob gerade ein Am, ein Dm oder ein

Wenn du schon eine Weile Gitarre spielst und dich fragst, warum deine Soli irgendwie immer gleich klingen, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass du über eine Tonart spielst, statt über die einzelnen Akkorde. Genau das ist der Unterschied zwischen einem generischen Sound und echtem Jazz-Feeling. Und heute zeige ich dir, wie du mit Dreiklängen und einer simplen Enclosure-Formel sofort akkordspezifischer und jazziger klingst.

Was ist eine Enclosure überhaupt?

Der Begriff klingt komplizierter als er ist. Eine Enclosure bedeutet nichts anderes, als dass du einen Zielton von oben und von unten chromatisch einkreist – also umschließt – bevor du ihn spielst. Du schleichst dich sozusagen von beiden Seiten an den eigentlichen Ton heran.

Das Entscheidende dabei: Der Zielton ist immer ein Ton des Dreiklangs, über den du gerade spielst. Kein beliebiger Ton, kein Skalenton irgendwo im Nirgendwo, sondern ein konkreter Akkordton.

Die Formel, die du dir merken musst

Die Enclosure-Formel ist denkbar einfach:

2 chromatische Töne von oben → 1 chromatischer Ton von unten → Zielton

Du spielst zwei Töne, die einen und zwei Halbtöne über deinem Zielton liegen, dann einen Ton einen Halbton unterhalb des Zieltons, und landest schließlich auf dem Zielton selbst. Diese kleine Bewegung erzeugt sofort dieses typische Jazz- und Fusion-Feeling.

Das Ausgangsmaterial: A-Moll-Dreiklang

Als Ausgangspunkt nehmen wir den A-Moll-Dreiklang auf den hohen vier Saiten. Die Griffweise liegt dabei auf dem 7., 5., 5. und 5. Bund. Bevor du anfängst, Enclosures draufzupacken, solltest du diesen Dreiklang wirklich verinnerlichen.

Ein wichtiger Tipp: Spiel den Dreiklang zunächst nur mit dem zweiten Finger. Das klingt ungewohnt, aber es zwingt dich dazu, die Töne wirklich zu hören und zu fühlen, statt einfach eine Griffform abzurufen.

Wenn du das drauf hast, wendest du die Enclosure-Formel auf jeden einzelnen Dreiklangston an.

Warum Dreiklänge und nicht Pentatonik?

Die Pentatonik ist tonartbezogen, nicht akkordspezifisch. Wenn du über eine Akkordfolge in A-Moll spielst und die ganze Zeit die A-Moll-Pentatonik benutzt, klingst du immer gleich, egal ob gerade ein Am, ein Dm oder ein Em unter dir läuft.

Dreiklänge funktionieren anders. Du spielst nicht über eine Tonart, sondern über einen konkreten Akkord. Für jeden Akkord in deiner Akkordfolge nimmst du den passenden Dreiklang und spielst dessen Töne aus – mit Enclosures drumherum.

Ein konkretes Beispiel

Nehmen wir eine einfache Akkordfolge: Am für zwei Takte, dann Dm für einen Takt, dann Em für einen Takt.

Über das Am spielst du den A-Moll-Dreiklang mit Enclosures. Sobald das Dm kommt, wechselst du zum D-Moll-Dreiklang und wendest dieselbe Formel an. Über das Em nimmst du den E-Moll-Dreiklang.

Was passiert dabei? Du folgst der Harmonie. Dein Solo erzählt die Geschichte der Akkordfolge, statt einfach eine Skala rauf und runter zu spielen.

Die Mischung macht den Sound

Spiel nicht die ganze Zeit nur Enclosures. Die Kunst liegt in der Mischung. Manchmal spielst du den puren Dreiklang ohne Chromatik. Manchmal setzt du eine Enclosure ein, um einen bestimmten Ton zu betonen. Manchmal kombinierst du beides.

Diese Abwechslung macht den Sound lebendig. Enclosures sind ein Werkzeug, kein Selbstzweck.

Wo du jetzt anfängst

Nimm dir den A-Moll-Dreiklang auf den hohen vier Saiten vor. Spiel ihn erst pur. Dann wende die Enclosure-Formel auf einen Ton an – nur einen. Hör, wie es klingt. Wenn das sitzt, nimmst du den nächsten Dreiklangston dazu.

Das ist der Moment, in dem es anfängt, nach Jazz zu klingen.

Häufige Fragen

Was ist eine Enclosure überhaupt?
Der Begriff klingt komplizierter als er ist. Eine Enclosure bedeutet nichts anderes, als dass du einen Zielton von oben und von unten chromatisch einkreist – also umschließt – bevor du ihn spielst.
Was bedeutet Das Ausgangsmaterial?
Als Ausgangspunkt nehmen wir den A-Moll-Dreiklang auf den hohen vier Saiten. , 5.
Warum Dreiklänge und nicht Pentatonik?
Die Pentatonik ist tonartbezogen, nicht akkordspezifisch. Wenn du über eine Akkordfolge in A-Moll spielst und die ganze Zeit die A-Moll-Pentatonik benutzt, klingst du immer gleich, egal ob gerade ein

Weiterlesen

Chromatik systematisch meistern

Im Kurs Chromatik Kompass lernst Du das Thema von Grund auf, mit klarer Struktur und Video-Lektionen.