Kurz & knapp
Eine andere Herangehensweise ist das sogenannte Standard-Down-Tuning, meistens als Eb (E-flat) bezeichnet. Hier stimmst du nicht nur eine Saite um, sondern alle sechs Saiten gleichmäßig einen Halbton tiefer.
Wenn du Metal spielst oder dich zumindest damit beschäftigst, bist du ihnen schon begegnet: diesen tiefen, schweren Gitarrensounds, die sich anfühlen, als würden sie dir den Boden unter den Füßen wegziehen. Dahinter stecken meistens keine Zaubertricks, sondern ganz konkrete Stimmungen, sogenannte Down- und Drop-Tunings. Ich erkläre dir hier die wichtigsten davon, damit du weißt, was sich hinter den Begriffen verbirgt und wann welches Tuning Sinn macht.
Drop D – der klassische Einstieg
Fangen wir mit dem Tuning an, das wahrscheinlich die meisten Metalgitarristen zuerst kennenlernen: Drop D. Das Prinzip ist denkbar einfach: Du nimmst nur die tiefe E-Saite und stimmst sie einen Ganzton tiefer, also zwei Halbtöne runter, auf D. Das war’s. Alle anderen Saiten bleiben in Standard-Stimmung (EADGBE), nur die tiefste Saite ist jetzt ein D.
Warum macht das so viel aus?
Der entscheidende Vorteil liegt in der Spielbarkeit. Durch das Droppen der tiefen E-Saite auf D liegen die drei tiefsten Saiten in einer Powerchord-Konstellation, die du mit einem einzigen Finger greifen kannst. Du legst den Zeigefinger quer über die untersten drei Saiten, und schon hast du deinen Powerchord. Das ermöglicht schnelle Rutsch-Riffs, bei denen du einfach den Finger die Saiten rauf- und runterziehst, ohne umzugreifen. Kein Wunder, dass eine riesige Anzahl von Metalbands auf Drop-Tunings setzt.
Standard Eb – alles einen Halbton tiefer
Eine andere Herangehensweise ist das sogenannte Standard-Down-Tuning, meistens als Eb (E-flat) bezeichnet. Hier stimmst du nicht nur eine Saite um, sondern alle sechs Saiten gleichmäßig einen Halbton tiefer. Das Ergebnis: Deine Griffbilder bleiben exakt gleich wie in Standard-Stimmung. Du musst nichts umlernen, nichts neu denken, alles funktioniert wie gewohnt, klingt aber etwas dunkler und schwerer.
Ein weiterer praktischer Vorteil: Bends werden etwas leichter, weil die Saitenspannung insgesamt etwas geringer ist.
Standard D, Standard Db und so weiter
Genau wie bei der Standard Eb-Stimmung wird hier die ganze Gitarre um X Töne nach unten gestimmt, also im gleichen Verhältnis, mit dem die namensgebende, tiefste Saite verstimmt wird.
Die digitale Alternative
Falls du nicht ständig umstimmen möchtest, gibt es eine praktische Lösung: Viele moderne Modeler wie der Helix, Axe-FX oder Kemper haben einen eingebauten Pitchblock oder Virtual Capo. Damit kannst du deine Gitarre digital nach oben oder unten stimmen, ohne eine einzige Saite anzufassen. Das Ganze hat eine Latenz von etwa 6 bis 12 Millisekunden, für die meisten Anwendungen absolut akzeptabel.
Als Hardware-Lösung gibt es außerdem das Digitech-Pedal „The Drop”, das für rund 150 Euro erhältlich ist. Besonders praktisch ist so ein Tool, wenn du Songs in anderen Stimmungen heraushören willst, ohne deine Gitarre jedes Mal neu einzustimmen.
Drop C und Drop B – für noch tiefere Gefilde
Wenn dir Drop D noch nicht tief genug ist, gibt es natürlich noch weitere Optionen.
Drop C
Drop C baut auf einem Standard-D-Tuning auf, also alle Saiten einen Ganzton tiefer als Standard, und dann droppst du die tiefste Saite nochmal einen Ganzton runter auf C. Das ergibt die Stimmung C-G-C-F-A-D. Das ist der Sound von schwerem, modernem Metal: dicker, dunkler, drückender.
Drop B
Noch eine Stufe tiefer liegt Drop B, bei dem die tiefste Saite auf B gestimmt wird. Das entspricht der Standard-Stimmung einer 7-saitigen Gitarre auf der tiefsten Saite. Manche Gitarristen gehen sogar noch weiter: Per Nielsen von Scar Symmetry droppt die B-Saite seiner 7-String nochmal auf A.
Saitenstärken – das unterschätzte Thema
Je tiefer du stimmst, desto wichtiger wird die Wahl der richtigen Saiten. In Standard-E-Stimmung sind Sets wie 009-042 oder 010-046 gängig. Wenn du aber auf Standard D oder tiefer gehst, brauchst du dickere Saiten, damit die Spannung stimmt und die Saiten nicht schlaff werden.
Für D-Tuning auf normaler Mensur gibt es zum Beispiel das Dario-NYXL-Set 1156, das speziell für diese Stimmung optimiert ist. Eine längere Mensur (etwa 27,5 Zoll) hilft ebenfalls dabei, bei tieferen Stimmungen eine ordentliche Saitenspannung zu behalten. Das ist aber keine echte Bariton-Gitarre, die erst bei rund 32 Zoll Mensur beginnt.
Bonus: Der Powerchord mit Charakter
Zum Abschluss noch ein kleiner harmonischer Trick von Gitarrist Rabea Massaad: Wenn du einen Powerchord spielst, füge die Moll-Terz eine Oktave höher hinzu. Das bedeutet konkret: Greife drei (kleine Tert - Mollakkord) oder 4 Bünde (große Terz - Durakkord) höher als deinen Grundton auf der nächsthöheren Saite. Das klingt harmonisch interessant, ohne dabei zu mulmen oder matschig zu werden. Ein schöner Weg, deinen Riffs etwas mehr Tiefe zu geben.
Mit diesen Grundlagen bist du gut gerüstet, um die Welt der Metal-Tunings zu erkunden. Probier einfach aus, was zu deinem Sound passt, und vergiss dabei die passenden Saiten nicht.
Häufige Fragen
Was steckt hinter "Drop D – der klassische Einstieg"?
Was steckt hinter "Standard Eb – alles einen Halbton tiefer"?
Drop C und Drop B – für noch tiefere Gefilde?
Weiterlesen
Metal-Rhythmusgitarre lernen
Im Kurs Heavy MetalRhythm Guitar lernst Du das Thema von Grund auf, mit klarer Struktur und Video-Lektionen.