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Blog Richtig üben

Drei Tipps für effektives Gitarrenüben

Bernd Kiltz Bernd Kiltz

Kurz & knapp

Der häufigste Fehler beim Üben ist nicht zu wenig Zeit, sondern zu unregelmäßige Zeit. Viele nehmen sich vor, fünfmal die Woche zu üben – und wenn dann zweimal etwas dazwischenkommt, sind es nur noch drei Mal.

Lass mich direkt mit einer unbequemen Wahrheit starten: Wie du übst, ist wichtiger als wie viel du übst. Das klingt vielleicht nach einer Ausrede für Faulpelze, ist es aber nicht. Nach über 30 Jahren als Gitarrenlehrer habe ich immer wieder dasselbe Muster beobachtet: jemand übt fleißig, macht aber kaum Fortschritte, wird frustriert, übt weniger, macht noch weniger Fortschritte, und irgendwann landet die Gitarre in der Ecke. Dieser Teufelskreis lässt sich vermeiden, wenn du an den richtigen Stellschrauben drehst.

Tipp 1: Regelmäßigkeit schlägt Intensität

Der häufigste Fehler beim Üben ist nicht zu wenig Zeit, sondern zu unregelmäßige Zeit. Viele nehmen sich vor, fünfmal die Woche zu üben – und wenn dann zweimal etwas dazwischenkommt, sind es nur noch drei Mal. Das ist für echte Fortschritte zu wenig.

Die bessere Herangehensweise: Nimm die Gitarre jeden Tag in die Hand. Ja, jeden Tag. Auch fünf Minuten zählen. Dein Gehirn und deine Finger brauchen diese tägliche Wiederholung, um Bewegungsabläufe wirklich zu verankern. Mehr als einen Tag Pause sollte es nicht geben.

Damit das klappt, musst du das Üben zur Routine machen – verknüpft mit etwas, das du sowieso täglich tust. Morgens nach dem ersten Kaffee, abends nach dem Essen. Wenn die Gitarre erst im Schrank verstaut werden muss, passiert es seltener. Stell sie sichtbar auf.

Was die Übezeit angeht: Das Optimum liegt bei dreimal zwanzig Minuten über den Tag verteilt. Das Minimum sind fünfzehn Minuten am Stück. Wer gerade erst anfängt, kann mit zehn Minuten täglich schon erstaunlich viel erreichen. Je weiter du fortgeschritten bist, desto mehr Zeit wirst du brauchen – aber der tägliche Rhythmus bleibt die Grundlage.

Tipp 2: Fang mit dem Schwierigsten an

Die meisten Gitarristen üben ein Stück, indem sie vorne anfangen und spielen, bis sie irgendwo hängen bleiben. Dann fangen sie wieder vorne an. Das Ergebnis: Der Anfang sitzt perfekt, die schwierige Stelle in der Mitte bleibt für immer ein Problem.

Dreh das um. Identifiziere die schwierigste Stelle in dem, was du gerade lernst, und fang genau dort an – am Anfang der Übeeinheit, wenn deine Konzentration noch frisch ist.

Wie das konkret aussieht

Nehmen wir an, du kämpfst mit einer Passage aus Sechzehntel-Triolen, die bei 140 BPM sitzen soll. Dann isolierst du genau diese Stelle, nimmst das Metronom auf 105 BPM, und spielst sie so lange sauber, bis es wirklich sitzt. Danach erhöhst du das Tempo um etwa zehn Prozent und wiederholst das Ganze. Nicht das ganze Stück, nicht von vorne – nur diese eine Stelle.

Das fühlt sich manchmal zäh an, weil der Fortschritt von Tag zu Tag kaum spürbar ist. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Fünf Minuten täglich an einer einzigen schwierigen Passage, konsequent über drei Monate, und die sitzt.

Tipp 3: Nimm dich regelmäßig auf Video auf

Dieser Tipp wird am häufigsten ignoriert, dabei ist er einer der wirkungsvollsten. Einmal pro Woche nimmst du dich beim Spielen auf – Handy gegen eine Kaffeetasse gelehnt reicht völlig aus.

Warum das so wichtig ist, hat drei Gründe:

Gesunde Selbsteinschätzung. Unsere Selbstwahrnehmung beim Spielen ist notorisch unzuverlässig. Was sich in dem Moment gut anfühlt, klingt auf der Aufnahme manchmal ganz anders. Die Kamera lügt nicht.

Konzentration beim Spielen. Wenn du weißt, dass du dich hinterher anschauen kannst, musst du während des Spielens nicht gleichzeitig bewerten, was du gerade tust. Du kannst einfach spielen.

Fortschritt sichtbar machen. Das ist vielleicht das Wichtigste. Fortschritt beim Gitarrespielen ist so langsam und gleichmäßig, dass man ihn von Tag zu Tag kaum wahrnimmt – ähnlich wie bei einem Kind, das man täglich sieht und dessen Wachstum man nicht bemerkt, bis man alte Fotos anschaut. Wenn du deine Aufnahmen von vor drei Monaten mit denen von heute vergleichst, siehst du den Unterschied.

Das Zusammenspiel

Diese drei Tipps funktionieren am besten zusammen. Regelmäßigkeit sorgt dafür, dass du überhaupt Fortschritte machst. Das gezielte Üben schwieriger Stellen sorgt dafür, dass diese Fortschritte an den richtigen Stellen passieren. Und die Videoaufnahmen sorgen dafür, dass du siehst, was du erreicht hast – und motiviert bleibst.

Häufige Fragen

Wie funktioniert "Regelmäßigkeit schlägt Intensität"?
Der häufigste Fehler beim Üben ist nicht zu wenig Zeit, sondern zu unregelmäßige Zeit.
Wie funktioniert "Fang mit dem Schwierigsten an"?
Die meisten Gitarristen üben ein Stück, indem sie vorne anfangen und spielen, bis sie irgendwo hängen bleiben. Dann fangen sie wieder vorne an.
Wie funktioniert "Nimm dich regelmäßig auf Video auf"?
Dieser Tipp wird am häufigsten ignoriert, dabei ist er einer der wirkungsvollsten. Einmal pro Woche nimmst du dich beim Spielen auf – Handy gegen eine Kaffeetasse gelehnt reicht völlig aus.

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