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Blog Spieltechnik

Der Trick für schnelleres Gitarrenspiel

Bernd Kiltz Bernd Kiltz

Kurz & knapp

Der Grundgedanke ist simpel. Du spielst ganz normale Achtelnoten, sagen wir bei 120 BPM.

Es gibt einen Effekt-Trick, der seit Jahrzehnten in der Gitarrenwelt für Staunen sorgt, und das Schöne daran ist: Er ist technisch gar nicht schwer umzusetzen. Du spielst einfache Achtelnoten, und das Ergebnis klingt nach blitzschnellen Sechzehntelläufen. Der Schlüssel dazu ist der sogenannte Dotted Eighth Delay, auf Deutsch: der punktierte Achtel-Delay.

Was steckt hinter dem Trick?

Der Grundgedanke ist simpel. Du spielst ganz normale Achtelnoten, sagen wir bei 120 BPM. Das Delay ist dabei auf eine punktierte Achtel eingestellt, was genau drei Sechzehnteln entspricht. Die Wiederholung, die das Delay erzeugt, fällt dadurch exakt zwischen deine gespielten Noten.

Das Ergebnis: Dein Spiel klingt nach Sechzehntelläufen, obwohl du in Wirklichkeit nur halb so viele Noten greifst. Dein Gehirn, und das Gehirn deiner Zuhörer, hört eine dichte, schnelle Notenfolge, obwohl du entspannt Achtel zupfst.

Das ist kein Schummeln. Es ist cleveres Handwerk.

Die richtigen Delay-Einstellungen

Damit der Trick funktioniert, müssen die Einstellungen stimmen. Hier sind die drei wichtigsten Parameter:

Time: Punktierte Achtel, oft als „1/8 dotted” oder „1 8th D” beschriftet. Das ist der entscheidende Wert. Ohne diese Einstellung funktioniert der Effekt nicht.

Mix: Etwa 50 %. Die erste Wiederholung soll genauso laut sein wie die Note, die du selbst spielst. Nur so entsteht der Eindruck einer gleichmäßigen Notenfolge.

Feedback: 30 bis 40 %. Du willst nicht, dass das Delay ewig nachhallt und alles matschig wird. Zwei bis drei Wiederholungen reichen völlig aus.

Synchronisation ist Pflicht

Das Delay muss zwingend zum Tempo synchronisiert sein. Entweder du gibst das BPM direkt ein, oder du nutzt die Tap-Tempo-Funktion. Wenn das Delay auch nur minimal aus dem Takt ist, klingt alles chaotisch statt präzise.

Falls dein Gerät nur Tap-Tempo kennt und keine direkte Notenwert-Auswahl bietet, gibt es eine Alternativmethode: Du tippst vier gleichmäßige Schläge in der Zeit von drei Vierteln ein, das sogenannte „4 über 3”-Prinzip. Klingt kompliziert, ist aber mit etwas Übung gut hinzubekommen.

Zwei Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1: Arpeggios mit Palm Muting

Nimm ein Dm7-Arpeggio: 5. Bund A-Saite, 8. Bund A-Saite, 7. Bund D-Saite, 5. Bund G-Saite. Spiel das bei 120 BPM mit Achtelnoten, ausschließlich Downstrokes und leichtem Palm Muting. Dann wechsle zu einem Major-7-Arpeggio: 8. Bund A-Saite, 12. Bund A-Saite, 10. Bund D-Saite, 9. Bund G-Saite.

Was du spielst, ist technisch anspruchslos. Was rauskommt, klingt nach einem vollen, dichten Lauf.

Das Palm Muting ist dabei kein optionaler Bonus, es verstärkt den Effekt erheblich. Kürzere, gedämpfte Töne lassen die Delay-Wiederholungen klarer hervortreten. Je knapper die Note, desto deutlicher der Effekt.

Beispiel 2: Der Metal-Ansatz

Noch einfacher wird es mit diesem Ansatz: Du wechselst bei 160 BPM abwechselnd zwischen einem gegriffenen Ton und der leeren Saite. Gegriffen, leer, gegriffen, leer. Das ist alles.

Gespielt klingt es nach einem rasenden Lauf, der technisch kaum Anforderungen stellt. Gerade im Metal-Kontext ist das ein mächtiges Werkzeug.

Wer nutzt diesen Trick?

Der Dotted Eighth Delay ist kein Geheimtipp mehr, er gehört zum Werkzeugkasten vieler bekannter Gitarristen. The Edge von U2 hat ihn zu seinem Markenzeichen gemacht. John Petrucci von Dream Theater setzt ihn in komplexen Arrangements ein. Und Nuno Bettencourt hat damit unter anderem seinen legendären „Flight of the Bumblebee”-Gitarrenpart geprägt.

Was diese Spieler verbindet: Sie nutzen den Effekt nicht als Ersatz für Technik, sondern als Erweiterung ihrer musikalischen Möglichkeiten.

Was du mitnehmen kannst

Der Dotted Eighth Delay Trick zeigt etwas Wichtiges: Gutes Gitarrenspiel bedeutet nicht immer, die technisch schwierigste Lösung zu wählen. Manchmal ist es klüger, Effekte und Rhythmik so einzusetzen, dass das Ergebnis größer klingt als die Summe seiner Teile.

Probier es aus. Stell dein Delay auf punktierte Achtel, sync es zum Tempo, dämpf die Saiten leicht mit der Handfläche und spiel einfach Achtel. Du wirst überrascht sein, was dabei rauskommt.

Häufige Fragen

Was steckt hinter dem Trick?
Der Grundgedanke ist simpel. Du spielst ganz normale Achtelnoten, sagen wir bei 120 BPM.
Was ist die richtigen Delay-Einstellungen?
Damit der Trick funktioniert, müssen die Einstellungen stimmen.
Wie funktioniert Zwei Beispiele aus der Praxis?
Nimm ein Dm7-Arpeggio: 5. Bund A-Saite, 8. Bund A-Saite, 7.

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