Kurz & knapp
Die A-Moll-Pentatonik besteht aus: A, C, D, E, G
Wenn du schon eine Weile Gitarre spielst, ist dir das wahrscheinlich aufgefallen: Überall findest du Fingersätze für die Moll-Pentatonik. Fünf Lagen, auswendig gelernt, fertig. Aber die Dur-Pentatonik? Fehlanzeige. Kaum ein Tutorial, kaum ein Lehrbuch, das sich damit ernsthaft beschäftigt. Dabei ist die Antwort auf dieses Rätsel so simpel, dass sie fast schon frech ist.
Das große Geheimnis, das eigentlich keins ist
Schauen wir uns kurz die Töne an:
Die A-Moll-Pentatonik besteht aus: A, C, D, E, G
Die C-Dur-Pentatonik besteht aus: C, D, E, G, A
Fällt dir was auf? Genau: das sind dieselben fünf Töne, nur in anderer Reihenfolge aufgeschrieben. Gleiche Töne bedeuten gleicher Fingersatz auf der Gitarre. Du lernst also nicht zwei verschiedene Dinge. Du lernst eines und bekommst das andere gratis dazu.
Das ist der Grund, warum niemand extra Fingersätze für die Dur-Pentatonik veröffentlicht. Es gibt nichts Neues zu zeigen.
Was wirklich den Unterschied macht
Jetzt fragst du dich vielleicht: Wenn der Fingersatz identisch ist, wie klingt es dann mal nach Moll und mal nach Dur? Die Antwort liegt nicht in deinen Fingern auf dem Griffbrett, sie liegt im Basston der Begleitung.
Stell dir vor, du spielst den klassischen A-Moll-Pentatonik-Fingersatz (Grundton mit dem ersten Finger auf der E-Saite). Wenn darunter ein A-Moll-Akkord liegt, klingt das Ganze nach A-Moll. Wenn du denselben Fingersatz über einen C-Dur-Akkord spielst, klingt es plötzlich nach C-Dur. Kein neuer Fingersatz, kein Umdenken auf dem Griffbrett: der Kontext erledigt die Arbeit.
Das ist ein fundamentales Prinzip, das weit über die Pentatonik hinausgeht.
Parallele Tonarten verstehen
A-Moll und C-Dur nennt man parallele Tonarten. Sie teilen sich dieselben Töne, haben aber unterschiedliche Grundtöne. Dieses Konzept zieht sich durch die gesamte Musiktheorie: alle Kirchentonleitern, alle sogenannten Modes, funktionieren nach demselben Prinzip. Gleiche Töne, anderer Ausgangspunkt, andere Wirkung.
Für dich als Gitarrist bedeutet das: Du kannst dir die Moll-Grundtöne als Orientierungspunkte merken. Wenn du weißt, wo der Moll-Grundton liegt, findest du dich im gesamten System zurecht, egal ob du gerade in einer Dur- oder Molltonart spielst.
Töne betonen: der feine Unterschied im Spiel
Auch wenn der Fingersatz gleich ist, spielt es natürlich eine Rolle, welche Töne du betonst. Und hier wird es musikalisch interessant.
Über einem C-Dur-Akkord willst du die Töne des C-Dur-Arpeggios in den Vordergrund stellen: C, E und G. Diese Töne geben deinem Spiel den Dur-Charakter, sie klingen stabil und passend zum Akkord.
Über einem A-Moll-Akkord verschiebt sich der Fokus: Jetzt sind A, C und E die Töne, die du betonen möchtest. Dieselbe Hand, dieselbe Position, aber eine andere musikalische Aussage, weil du andere Töne als Ankerpunkte nutzt.
Das ist kein Hexenwerk, aber es ist der Unterschied zwischen jemandem, der Töne spielt, und jemandem, der Musik macht.
Von der Pentatonik zur vollständigen Tonleiter
Noch ein Gedanke, der das Bild abrundet: Die C-Dur-Pentatonik enthält fünf Töne: C, D, E, G, A. Wenn du zwei weitere Töne hinzufügst, nämlich F und B, landest du bei der vollständigen C-Dur-Tonleiter mit sieben Tönen: C, D, E, F, G, A, B.
Die Pentatonik ist also keine eigenständige, fremdartige Skala, sie ist die Dur-Tonleiter, der man zwei Töne weggenommen hat. Die beiden fehlenden Töne sind übrigens genau die, die auf der Gitarre am häufigsten für Reibung sorgen können. Kein Wunder, dass die Pentatonik so beliebt ist: Sie klingt fast immer gut, weil die „heiklen” Töne einfach nicht dabei sind.
(Zur Schreibweise: Ich verwende B statt H, das ist die internationale Notation. Die sieben Grundtöne sind A, B, C, D, E, F, G.)
Was du mitnehmen kannst
Wenn du die A-Moll-Pentatonik kennst, kennst du bereits die C-Dur-Pentatonik. Du musst keine neuen Fingersätze büffeln. Was du stattdessen üben solltest: das Bewusstsein dafür, welcher Akkord gerade unter dir liegt, und welche Töne du in diesem Moment betonen willst. Das ist die eigentliche Arbeit. Und die lohnt sich.
Häufige Fragen
Was ist das große Geheimnis, das eigentlich keins ist?
Was wirklich den Unterschied macht?
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