Kurz & knapp
Michael hat geübt. Täglich. Mindestens zweimal zwanzig Minuten, oft mehr.
Ich unterrichte seit über 30 Jahren Gitarre. In dieser Zeit habe ich Hunderte von Schülern kommen und gehen sehen. Michael gehört zu denen, die mich wirklich verblüfft haben.
Der Mann mit dem verrückten Plan
Michael kam zu mir ohne jede Gitarrenerfahrung. Null. Er hatte noch nie eine Gitarre in der Hand gehalten. Was er aber hatte, war ein Ziel: An seinem 40. Geburtstag wollte er „Highway to Hell” von AC/DC live auf einer Bühne spielen. Mit einer echten Band. Vor seinen Freunden.
Und dann kam der Teil, der mich wirklich aufhorchen ließ: Er hatte die Band bereits gebucht. Und bezahlt. Den Saal auch. Sein Geburtstag war in einem Jahr.
Ich wusste in diesem Moment: Dieser Mann wird es entweder wirklich durchziehen, oder er wird eine sehr teure Lektion lernen.
Was er dann wirklich gemacht hat
Michael hat geübt. Täglich. Mindestens zweimal zwanzig Minuten, oft mehr. Es ist ihm nicht zugeflogen – das muss ich ausdrücklich sagen. Er hat gekämpft, er hat Rückschläge gehabt wie jeder Anfänger. Aber er ist immer wieder aufgestanden und hat die Gitarre in die Hand genommen.
Ein Jahr später stand er auf der Bühne und hat „Highway to Hell” gespielt. Seine Freunde waren baff.
Und dann – das Ende der Geschichte ist fast noch interessanter als die Geschichte selbst – hat er gekündigt. Hat die Gitarre verkauft. War fertig.
Das klingt erst mal seltsam. Aber Michael hatte nie gesagt, er wolle Gitarrist werden. Er hatte ein konkretes Ziel gehabt, und das hatte er erreicht.
Lektion 1: Ein klares Ziel ist alles
„Ich will irgendwann mal Gitarre spielen können” – das ist kein Ziel. Das ist ein Wunschtraum. Und Wunschträume haben die unangenehme Eigenschaft, sich niemals zu erfüllen, weil sie keinen Termin haben.
Michaels Ziel war das genaue Gegenteil davon. Es hatte einen konkreten Song, ein konkretes Datum und eine konkrete Situation. Je klarer dein Ziel ist, desto einfacher findest du den Weg dorthin.
Frag dich mal ehrlich: Was genau willst du auf der Gitarre können? Welchen Song? Bis wann? In welchem Kontext? Wenn du diese Fragen nicht beantworten kannst, wird es schwer.
Lektion 2: Sozialer Druck kann ein mächtiges Werkzeug sein
Michael hat sich selbst in eine Situation manövriert, aus der es kein einfaches Entkommen gab. Die Band war gebucht und bezahlt. Der Saal war reserviert.
Einen Rückzieher zu machen hätte nicht nur Geld gekostet – es hätte ihn auch sein Gesicht gekostet. Und das wollte er nicht.
Das ist nicht für jeden der richtige Ansatz. Aber für bestimmte Typen – Menschen, die sich selbst gut kennen und wissen, dass sie ohne äußeren Druck zu leicht aufgeben – kann genau dieser künstlich erzeugte Druck der entscheidende Unterschied sein.
Lektion 3: Es wirklich wollen – nicht vielleicht, nicht irgendwie
Es gibt einen Unterschied zwischen „Ich könnte mir vorstellen, vielleicht mal Gitarre zu lernen” und „Ich werde das machen.”
Michael hat seinen Plan jeden Morgen und jeden Abend bewusst durchgegangen. Nicht als weiche Affirmation, sondern als klare Ansage an sich selbst.
Ich erlebe regelmäßig Schüler, die mit leuchtenden Augen anfangen, weil eine E-Gitarre cool aussieht. Und ich erlebe, wie diese Begeisterung nach den ersten Wochen verpufft, wenn die Finger wehtun und die Akkordwechsel noch nicht sitzen. Wer nur ein vages „wäre schön”-Gefühl mitbringt, wird in diesem Moment aufhören.
Wer ein echtes Ziel hat, macht weiter.
Was du daraus mitnehmen kannst
Michaels Geschichte ist kein Aufruf, sofort eine Band zu buchen und dein Erspartes auszugeben. Sie ist ein Spiegel.
Schau dir an, warum du Gitarre lernen willst. Schau dir an, wie konkret dieses Warum ist. Und dann überleg, was du tun kannst, um dir selbst keine Hintertür zu lassen.
Die Leute, die wirklich gut werden auf der Gitarre, sind selten die Talentiertesten. Sie sind meistens die, die genau wissen, wohin sie wollen.
Häufige Fragen
Was ist der Mann mit dem verrückten Plan?
Was er dann wirklich gemacht hat?
Was bedeutet Lektion 1?
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