Kurz & knapp
Der zweite Faktor betrifft die Art, wie du dein Plektrum hältst und einsetzt. Hier gibt es mehrere Punkte, die zusammenspielen.
Viele Gitarristen denken, ihr Sound klingt nicht gut, weil das Equipment nicht stimmt. Ein besserer Amp, ein teureres Gitarrenmodell, vielleicht noch ein paar neue Pedale, und dann wird alles gut. Ich sage dir aus über 30 Jahren Erfahrung als Gitarrenlehrer: Das ist meistens nicht das Problem. Für rund 100 Euro bekommst du heute schon ein Setup, das grundsätzlich gut klingen kann. Die eigentlichen Ursachen liegen woanders, und zwar an drei Faktoren, die du vollständig selbst in der Hand hast.
Faktor 1: Abdämpfen
Wenn dein Spiel unsauber klingt, ungewollte Nebengeräusche entstehen oder offene Saiten mitschwingen, obwohl du sie gar nicht anschlagen wolltest, dann fehlt dir wahrscheinlich das Abdämpfen. Saiten, die nicht klingen sollen, müssen aktiv zum Schweigen gebracht werden, und zwar sowohl die tiefen als auch die hohen.
Das klingt simpel, ist aber einer der häufigsten Gründe, warum Gitarrenspiel unprofessionell wirkt. Sobald du anfängst, ungewollte Saiten konsequent abzudämpfen, klingt dein Spiel sofort kontrollierter und sauberer.
Ein weiteres Werkzeug in diesem Bereich ist das Palm Muting: Du legst die Handfläche leicht am Steg auf, während du spielst. Das verändert den Charakter deines Sounds erheblich. Probier es mal mit einem einfachen Power Chord: einmal ohne Palm Muting, einmal mit. Du wirst merken, dass es sich wie zwei völlig verschiedene Riffs anfühlt. Gerade für rhythmische Riffs ist Palm Muting ein entscheidendes Stilmittel.
Faktor 2: Richtig anschlagen
Der zweite Faktor betrifft die Art, wie du dein Plektrum hältst und einsetzt. Hier gibt es mehrere Punkte, die zusammenspielen.
Die richtige Plektrum-Haltung
Stell dir eine Pistole vor: Daumen flach, das Plektrum drauf, die Finger drumherum. Zwischen Zeigefinger und Plektrum sollte ein Winkel von ungefähr 90 Grad entstehen. Diese Haltung gibt dir Kontrolle und Stabilität.
Das Plektrum leicht eindrehen
Ein häufiger Fehler ist, das Plektrum parallel zu den Saiten zu halten. Dreh es stattdessen leicht ein. Wenn es parallel liegt, erzeugst du zu viel Widerstand: du bleibst an den Saiten hängen, das Spiel wird unflüssig, und die Saiten verschleißen schneller. Ein leicht eingedrehtes Plektrum gleitet deutlich besser über die Saiten.
Nur 2–3 mm nutzen
Geh nicht zu tief in die Saiten. Nur etwa 2 bis 3 Millimeter des Plektrums sollten die Saite berühren. Wer zu tief reingeht, verliert Kontrolle und Geschwindigkeit.
Alternate Picking als Basis
Als grundlegende Anschlagstechnik solltest du Alternate Picking verwenden: runter, rauf, runter, rauf, konsequent im Wechsel. Das ist die effizienteste Art zu spielen und die Grundlage für sauberes, flüssiges Spiel.
Dynamik bewusst einsetzen
Das ist vielleicht der am meisten übersehene Aspekt: Dynamik. Nicht jeder Part klingt gleich gut mit demselben Anschlagsdruck. Spielst du leiser und weicher, klingt der Sound runder und zurückhaltender. Spielst du fester, bekommst du mehr Attack und Durchsetzungskraft. Dasselbe Riff klingt je nach Anschlagsstärke komplett anders, und genau das macht den Unterschied zwischen mechanischem und musikalischem Spiel.
Faktor 3: Rhythmik
Der dritte Faktor ist Rhythmik. Noten, die an der zeitlich richtigen Stelle gespielt werden, klingen immer besser, egal wie komplex oder simpel das Stück ist. Musik ist eine zeitbasierte Kunst. Tight zu spielen, also wirklich im Takt zu bleiben, ist das, was professionelles Spiel von unprofessionellem unterscheidet.
Jetzt höre ich oft den Einwand: „Rhythmusgefühl hat man oder man hat es nicht.” Das stimmt schlicht nicht. Rhythmusgefühl ist keine angeborene Gabe, die du entweder besitzt oder eben nicht. Es ist eine Fähigkeit, die du trainieren kannst, wie jede andere auch. In meinen über 30 Jahren als Gitarrenlehrer habe ich noch jedem beigebracht, rhythmisch sauber zu spielen. Es braucht Übung und die richtigen Methoden, aber es ist erlernbar.
Das Fazit
Wenn dein Gitarrensound nicht klingt, wie du es dir vorstellst, lohnt es sich, ehrlich in diese drei Bereiche zu schauen:
- Abdämpfen: Hast du wirklich alle ungewollten Saiten unter Kontrolle?
- Richtig anschlagen: Stimmen Haltung, Eindrehen, Tiefe, Technik und Dynamik?
- Rhythmik: Spielst du wirklich tight, oder schleichen sich rhythmische Ungenauigkeiten ein?
Bevor du also Geld in neues Equipment investierst, arbeite an diesen drei Punkten. Die Verbesserung, die du dadurch hörst, wird deutlich größer sein als jede Gear-Investition.
Häufige Fragen
Was bedeutet Faktor 1?
Was bedeutet Faktor 2?
Was bedeutet Faktor 3?
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