Kurz & knapp
Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Du nimmst beim Aufnehmen nicht nur deinen fertigen Sound auf, sondern gleichzeitig auch das rohe, unbearbeitete Gitarrensignal, das sogenannte DI-Signal.
Kennst du das? Du hast einen Song aufgenommen, alles klingt gut, und zwei Tage später denkst du: „Eigentlich hätte da ein anderer Amp-Sound viel besser gepasst.” Normalerweise hieß das früher: Gitarre raus, nochmal einspielen, hoffen dass es genauso gut wird wie beim ersten Mal. Mit Reamping gehört dieses Problem der Vergangenheit an.
Was Reamping eigentlich bedeutet
Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Du nimmst beim Aufnehmen nicht nur deinen fertigen Sound auf, sondern gleichzeitig auch das rohe, unbearbeitete Gitarrensignal, das sogenannte DI-Signal. DI steht für „Direct Inject”, also das Signal direkt vom Gitarren-Input, bevor es irgendeinen Amp oder Effekt gesehen hat.
Dieses trockene Signal ist quasi deine Versicherung. Wenn du später mit deinem Sound unzufrieden bist, schickst du einfach die DI-Spur nochmal durch den Modeller, diesmal mit einem anderen Amp-Modell, und nimmst das Ergebnis als neue Spur auf. Dein Spiel bleibt exakt gleich, nur der Sound ändert sich.
Die zwei Spuren beim Aufnehmen
Das Herzstück des Reamping-Workflows sind zwei Spuren, die du gleichzeitig aufnimmst:
Spur 1, das fertige Signal: Das ist deine normale Aufnahme, so wie du sie kennst. Das Signal läuft durch den Modeller mit all deinen Amp-Einstellungen und Effekten und landet als fertiger Sound in der DAW.
Spur 2, das DI-Signal: Diese Spur fängt das Signal direkt am Gitarren-Input ab, noch bevor der Modeller irgendetwas damit macht. Trocken, unbearbeitet, neutral.
Spur 1 nutzt du sofort zum Abhören und als Arbeitsbasis. Spur 2 liegt erstmal nur da, als Rohstoff für später.
So läuft das Reamping technisch ab
Wenn du dann tatsächlich reampen möchtest, sind die Schritte überschaubar:
Zuerst erstellst du in deiner DAW einen zusätzlichen Ausgangsbus, mono, den du zum Beispiel „Reamp-Out” nennst. Deine DI-Spur wird auf diesen Bus geroutet, nicht auf den normalen Stereo-Ausgang. So schickst du das Signal gezielt zurück an den Modeller.
Im Modeller selbst stellst du den Input um: statt „Analog” (also der physischen Gitarren-Buchse) wählst du den entsprechenden USB-Kanal. Der Modeller empfängt jetzt das DI-Signal aus der DAW, als wäre es eine live gespielte Gitarre.
Dann erstellst du eine neue Audiospur in der DAW, drückst Record, wählst im Modeller deinen neuen Wunsch-Sound und fertig. Das Ergebnis landet als frische Spur in deinem Projekt.
Der große Vorteil gegenüber echten Amps
Wer schon mal mit einem echten Röhrenamp gereampt hat, weiß: Das ist eine Wissenschaft für sich. Du brauchst eine spezielle Reamp-Box, um das Signal auf den richtigen Pegel zu bringen, dazu entsprechende Verkabelung und im besten Fall ein ruhiges Zimmer ohne Nachbarn.
Mit einem modernen Modeller läuft das alles über USB. Das Routing passiert digital, du brauchst keine zusätzliche Hardware, und du kannst mitten in der Nacht reampen ohne irgendjemanden zu stören. Die meisten aktuellen Modeller bieten diese Funktionalität: ein Blick in die Anleitung zeigt dir, welche USB-Kanäle für DI-Signal und Reamp-Rückgabe vorgesehen sind.
Eine wichtige Warnung: Kein Layering mit der gleichen DI-Spur
Hier ein Fehler, den ich immer wieder sehe und den du unbedingt vermeiden solltest: Wenn du verschiedene Amp-Sounds kombinieren willst, also zum Beispiel einen crunchigen und einen cleanen Sound übereinanderlegen, dann nimm dafür nicht mehrere Reamping-Durchläufe der gleichen DI-Spur.
Das klingt verlockend einfach, führt aber zu Phasenauslöschungen. Die Spuren sind zwar zeitlich identisch, aber durch die unterschiedliche Verarbeitung im Modeller entstehen minimale Phasenverschiebungen, die deinen Sound seltsam dünn oder ausgehöhlt klingen lassen.
Wenn du Amp-Sounds layern möchtest, ist der sicherere Weg: nochmal physisch einspielen. Ja, das ist mehr Aufwand, aber das Ergebnis klingt deutlich besser.
Fazit
Reamping ist eine der praktischsten Techniken im modernen Gitarren-Recording. Du spielst einmal ein, behältst dir aber alle Optionen offen. Gerade mit einem Modeller ist der Einstieg denkbar niedrigschwellig: kein zusätzliches Equipment, kein kompliziertes Routing, nur ein bisschen Einarbeitung in die DAW und die Einstellungen deines Geräts. Wenn du regelmäßig aufnimmst, sollte das DI-Signal beim Aufnehmen zur Gewohnheit werden. Du wirst es nicht jedes Mal brauchen, aber wenn du es brauchst, bist du froh, dass du es hast.
Häufige Fragen
Was Reamping eigentlich bedeutet?
Was ist die zwei Spuren beim Aufnehmen?
Was steckt hinter "So läuft das Reamping technisch ab"?
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