Kurz & knapp
Griffbilder sind nicht böse. Aber wenn du sie auswendig lernst, ohne zu verstehen, was dahintersteckt, baust du auf Sand.
Ich sage dir das nach über 30 Jahren als Gitarrenlehrer ganz direkt: Das Auswendiglernen von Griffbildern ist einer der größten Zeitfresser, den du dir als Gitarrist antun kannst. Nicht weil Griffbilder nutzlos wären, sondern weil du damit das Pferd von hinten aufzäumst. Es gibt einen viel eleganteren Weg, und der beginnt mit etwas, das du wahrscheinlich schon kennst: dem Powerchord.
Der Powerchord als dein Schlüssel zum Griffbrett
Ein Powerchord besteht aus drei Tönen: dem Grundton (1), der Quinte (5) und der Oktave (8). Die Oktave ist schlicht derselbe Ton wie der Grundton, nur eine Oktave höher. Das klingt banal, ist aber der Ausgangspunkt für alles.
Wenn du weißt, wo dein Grundton auf der tiefen E-Saite liegt, dann weißt du durch den Powerchord automatisch auch, wo derselbe Ton auf der D-Saite liegt. Und genauso funktioniert es von der A-Saite zur G-Saite.
Das bedeutet: Wenn du die Töne auf der E-Saite und der A-Saite kennst, kannst du D-Saite und G-Saite direkt ableiten. Du musst sie nicht extra auswendig lernen.
Der kleine Haken bei der B-Saite
Zwischen G-Saite und B-Saite liegt kein Quart-Intervall wie bei allen anderen Saitenpaaren, sondern eine Terz. Wenn du von der D-Saite auf die B-Saite ableitest, verschiebt sich alles um einen Bund. Das ist der eine Punkt, den du dir merken musst.
Und die hohe E-Saite? Die ist identisch mit der tiefen E-Saite. Gleiche Töne, gleiche Positionen.
Was du wirklich auswendig lernen musst
Du brauchst die Stammtöne A, B, C, D, E, F und G auf der tiefen E-Saite und auf der A-Saite. Dazu kommt eine einzige Regel: Zwischen E und F sowie zwischen B und C gibt es keinen Halbtonschritt dazwischen. Das sind die einzigen Stellen, wo zwei Stammtöne direkt nebeneinander liegen.
Das war’s. Die komplette Gitarre auswendig zu lernen ist schlicht nicht nötig.
Von der Oktave aus weiterdenken
Wenn du den Powerchord als Basis nimmst und von der Oktave aus weiterzählst, öffnet sich dir die gesamte Harmonielehre.
Die 9 ist ein Ganzton über der Oktave. Die 7 liegt einen Halbton unter der Oktave. Von diesen Punkten aus kannst du anfangen, jeden beliebigen Akkord zu konstruieren, ohne ein einziges Griffbild auswendig zu lernen.
Willst du eine Durterz finden? Zähl vom Grundton aus. Mollterz? Einen Halbton tiefer als die Durterz. Septakkorde, Noneakkorde, alles folgt demselben Prinzip.
Warum das so mächtig ist
Du verstehst, was du spielst. Wenn du einen Akkord baust, weißt du, welche Töne drin sind und warum. Das macht dich flexibel und unabhängig von Büchern oder Apps.
Die Mathematik geht bis 13. Mehr nicht. Mit den Zahlen 1 bis 13 kannst du die gesamte Harmonielehre abdecken.
Der eigentliche Punkt
Griffbilder sind nicht böse. Aber wenn du sie auswendig lernst, ohne zu verstehen, was dahintersteckt, baust du auf Sand. Du wirst immer abhängig von externen Quellen bleiben und nie wirklich frei auf dem Instrument sein.
Lern die Stammtöne auf E- und A-Saite. Versteh, wie der Powerchord dir die anderen Saiten erschließt. Fang an, vom Grundton aus zu zählen. Das ist der Weg, wie du das Griffbrett wirklich begreifst, statt es nur zu memorieren. Und wenn du das einmal verinnerlicht hast, wirst du nie wieder ein Griffbild-Buch aufschlagen müssen.
Häufige Fragen
Was ist der Powerchord als dein Schlüssel zum Griffbrett?
Was ist der kleine Haken bei der B-Saite?
Was du wirklich auswendig lernen musst?
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