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Gitarrenlehreronline
Blog Gitarre lernen

Offene Akkorde verstehen – nicht nur merken

Bernd Kiltz Bernd Kiltz

Kurz & knapp

Hier verwechseln viele Gitarristen etwas, also kurz und klar:

Kennst du das? Du lernst einen Akkord, merkst dir das Griffbild, lernst den nächsten, und irgendwann hast du eine Sammlung von Griffen im Kopf, die du zwar spielen kannst, aber nicht wirklich verstehst. Wenn dann jemand „Dsus2” sagt, schaust du erstmal ins Buch.

Das muss nicht so sein. Es gibt einen anderen Weg.

Das Problem mit dem Auswendiglernen

Für Schlaggitarre gibt es theoretisch tausende von Akkorden. Wer die alle einzeln auswendig lernen will, hat ein lebenslanges Projekt vor sich, und trotzdem immer das Gefühl, dass ihm etwas fehlt.

Der sinnvollere Ansatz: Ein Prinzip verstehen und es überall anwenden. Wer weiß, warum ein Akkord so klingt wie er klingt, kann ihn ableiten. Auf jedem Grundton, in jeder Lage, ohne Buch.

Der Powerchord steckt in jedem offenen Akkord

Fangen wir mit etwas an, das du wahrscheinlich schon kennst: dem Powerchord. Der besteht aus Grundton, Quinte und Oktave, also den Intervallen 1, 5 und 8.

Jetzt schau dir mal E-Dur an. Die tiefen Saiten, E und A, spielen genau das: 1, 5 und 8. Der Powerchord ist schon drin. Die einzige Saite, die etwas anderes macht, ist die G-Saite im 1. Bund. Und genau dort sitzt die Terz: der Ton, der entscheidet, ob der Akkord dur oder moll klingt.

Das ist der Schlüssel zu allem.

Die Terz ist der Chef

Bei E-Dur liegt auf der G-Saite im 1. Bund die große Terz. Willst du E-Moll spielen? Heb den Finger an, leere G-Saite, kleine Terz. Fertig. Kein neues Griffbild, nur ein Finger weniger.

Und E-Sus4? Die Quarte liegt einen Halbton über der Terz, also im 2. Bund der G-Saite.

Dasselbe Prinzip funktioniert bei D-Dur. Hier liegt der Powerchord auf der D-Saite, und die Terz sitzt oben auf der hohen E-Saite im 2. Bund: das ist Fis, die große Terz von D. Von dort aus kannst du alles ableiten:

  • D-Moll: Terz einen Bund tiefer, also 1. Bund hohe E-Saite
  • Dsus4: Einen Halbton über der Terz, also 3. Bund
  • Dsus2: Einen Halbton unter der Terz, leere hohe E-Saite

Bei A-Dur sitzt die Terz auf der B-Saite im 2. Bund. Gleiches Spiel.

Sus und Add: Was ist eigentlich der Unterschied?

Hier verwechseln viele Gitarristen etwas, also kurz und klar:

Sus bedeutet, die Terz wird ersetzt. Bei Sus4 kommt statt der Terz die Quarte, bei Sus2 die Sekunde. Die Terz ist weg.

Add bedeutet, die Terz bleibt, und ein zusätzlicher Ton kommt dazu. A-Add9 zum Beispiel: Die Terz ist noch drin, aber die 9 (eine Oktave über der 2) wird ergänzt.

Und warum heißt es dann „9” und nicht „2”? Weil die Terz noch im Akkord ist. Sobald die 3 drin ist, nennt man die 2 nicht mehr 2, sondern 9. Die Terz ist immer der Chef: sie bestimmt, wie die anderen Töne benannt werden.

Sus4 zieht, Sus2 schwebt

Die beiden Sus-Akkorde fühlen sich grundlegend anders an:

Sus4 hat einen Zugcharakter. Die Quarte will zur Terz auflösen, das nennt sich „vorgehaltene Quarte”. Du kannst diesen Zug nutzen, um Spannung aufzubauen oder das „Nachhause-kommen” eines Akkords hinauszuzögern.

Sus2 schwebt dagegen neutral. Weder fröhlich noch traurig, kein Zug in eine Richtung. Deshalb taucht er so oft in Rock-Riffs auf: er lässt Raum.

Einfache Akkorde, clever arrangiert

„Wanted Dead or Alive” von Bon Jovi ist ein gutes Beispiel dafür, wie das in der Praxis klingt: D, Dsus4, D, Dsus2, D. Im Songbuch sieht das nach fünf verschiedenen Akkorden aus. In Wirklichkeit bewegt sich ein einziger Finger einen Bund hoch oder runter.

Noch schöner zeigt das Joe Satrianis „Always With Me, Always With You”. Die Akkordfolge dahinter ist eine der simpelsten überhaupt, 1-4-5. Aber durch Add-Töne und Sus-Akkorde klingt es brillant. Das ist Arrangieren: einfache Strukturen mit cleveren Zusätzen aufwerten.

Was du damit gewinnst

Wer weiß, wo die Terz sitzt, findet von dort aus die Quarte, die Sekunde, die None, auf jedem Grundton, in jeder Lage. Du musst kein Buch mehr aufschlagen, weil du das Prinzip verstanden hast, nicht nur das Griffbild.

Das ist der Unterschied zwischen Gitarre lernen und Gitarre verstehen.

Häufige Fragen

Was ist das Problem mit dem Auswendiglernen?
Für Schlaggitarre gibt es theoretisch tausende von Akkorden. Wer die alle einzeln auswendig lernen will, hat ein lebenslanges Projekt vor sich, und trotzdem immer das Gefühl, dass ihm etwas fehlt.
Was ist der Powerchord steckt in jedem offenen Akkord?
Fangen wir mit etwas an, das du wahrscheinlich schon kennst: dem Powerchord. Der besteht aus Grundton, Quinte und Oktave, also den Intervallen 1, 5 und 8.
Was ist die Terz ist der Chef?
Bei E-Dur liegt auf der G-Saite im 1. Bund die große Terz. Willst du E-Moll spielen?

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