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Gitarrenlehreronline
Blog Richtig üben

Was übt ein Gitarrenlehrer mit 35 Jahren Erfahrung?

Bernd Kiltz Bernd Kiltz

Kurz & knapp

Der zweite große Teil meines Übens ist projektbezogen. Ich übe das, was ich gerade brauche.

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird: „Bernd, was übst du eigentlich selbst noch?” Die Antwort überrascht viele – und ich glaube, sie enthält ein paar wichtige Lektionen für jeden Gitarristen, egal auf welchem Level.

Grundlagen? Die brauchen keine Wiederholung mehr

Ich spiele seit meinem 13. Lebensjahr E-Gitarre. Jetzt bin ich fast 49. Das sind über 35 Jahre, in denen sich locker mehr als 10.000 Stunden Spielzeit angesammelt haben. Was bedeutet das konkret? G-Dur-Akkord, Pentatonik, die grundlegenden Griffmuster – die sitzen. Die sitzen so tief, dass ich sie nicht mehr aktiv üben muss.

Und das ist die erste wichtige Botschaft: Was lange genug und gründlich genug geübt wurde, bleibt. Das Gehirn vergisst diese tief verankerten motorischen Programme nicht mehr. Die Zeit, die du jetzt in solide Grundlagen steckst, ist eine Investition fürs Leben.

Projektbezogenes Üben: Immer mit klarem Ziel

Der zweite große Teil meines Übens ist projektbezogen. Ich übe das, was ich gerade brauche. Wenn ich an einer Neuauflage eines Kurses arbeite und dafür anspruchsvollere Stücke einspielen will, dann arbeite ich genau an diesen Stücken. Wenn ich neues Repertoire aufbauen möchte, dann ist das mein Fokus.

Kein Üben um des Übens willen. Kein „Ich spiele jetzt mal eine Stunde irgendwas durch, weil man ja üben soll.” Dieser Ansatz lässt sich direkt auf dein eigenes Üben übertragen: Hast du ein konkretes Ziel? Ein Stück, das du lernen willst? Dann üb genau das.

Die eine Technik, an der ich aktiv arbeite

Jetzt wird es interessant. Es gibt tatsächlich eine Technik, die ich gerade gezielt trainiere: Alternate Picking.

Mein Alternate Picking ist adäquat. Es funktioniert. Aber wenn ich mir Gitarristen wie Justin Hombach, Anton Oparin, Paul Gilbert oder John Petrucci anschaue, ist noch Luft nach oben. Und ich will dahin.

Also arbeite ich mit Metronom, steigere das Tempo langsam und kontrolliert, und versuche, meinen Bewegungsablauf neu zu programmieren. Denn genau da liegt das eigentliche Problem: Ich habe jahrelang zu viel aus dem Arm gepickt, statt die Bewegung aus dem Handgelenk kommen zu lassen.

Pick Slanting: Bewusst trainieren

Dazu kommt das Thema Pick Slanting – also die bewusste Kontrolle darüber, ob das Plektrum nach oben oder unten geneigt ist. Auch das trainiere ich jetzt gezielt, statt es dem Zufall zu überlassen.

Warum Fortschritte trotzdem schnell kommen

Hier passiert etwas Interessantes: Obwohl ich eine Technik von Grund auf neu programmieren muss, mache ich relativ schnell Fortschritte. Der Grund ist simpel: die musikalische Basis ist da. Ich muss nicht gleichzeitig lernen, was Töne sind, wie Rhythmus funktioniert oder wie ich mich auf dem Griffbrett orientiere. Ich kann meine gesamte Aufmerksamkeit auf genau diese eine Sache richten.

Was bedeutet das für dein Üben?

Priorität Nummer eins sind solide Grundlagen. Die sind das Fundament.

Priorität Nummer zwei ist projektbezogenes Üben. Was brauchst du gerade? Was ist dein nächstes konkretes Ziel?

Und dann kommt das, was dir persönlich wichtig ist. Wenn dir schnelles Spielen egal ist, dann üb kein schnelles Spielen. Wenn dir Bending wichtig ist, wenn du ein ausdrucksstarkes Vibrato entwickeln willst, dann investier deine Zeit dort.

Gitarre spielen ist kein Wettkampf. Es geht darum, das zu entwickeln, was dich als Musiker ausmacht. Ich übe Alternate Picking, weil es mir wichtig ist. Was ist dir wichtig?

Häufige Fragen

Grundlagen? Die brauchen keine Wiederholung mehr?
Ich spiele seit meinem 13. Lebensjahr E-Gitarre. Jetzt bin ich fast 49.
Was bedeutet Projektbezogenes Üben?
Der zweite große Teil meines Übens ist projektbezogen. Ich übe das, was ich gerade brauche.
Was ist die eine Technik, an der ich aktiv arbeite?
Jetzt wird es interessant. Es gibt tatsächlich eine Technik, die ich gerade gezielt trainiere: Alternate Picking.

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